• Slider Image

Bedeutende Bürger

Ettaler Bürger 1922 bis 1923:
Sergej Prokofjew – Russischer Komponist

Berühmtestes Werk: Peter und der Wolf

Prokofjew ist einer der bedeutendsten Komponisten und zählt zu den Klassikern der Moderne. Bedeutsam war auch sein Wirken als Filmmusik-
Komponist.

In der Nähe von Donezk, in einem kleinen Dorf mit dem klangvollen Namen Sonzowka, wurde er als Sohn eines Gutsverwalters und einer Hobby-Pianistin am 23. April 1891 geboren. Von seiner Mutter erhielt er den ersten Musikunterricht und bereits mit sechs Jahren begann er zu komponieren. Bald zogen Mutter und Sohn nach Petersburg, denn hier herrschte zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein reiches und interessantes Theater- und Konzertleben. Die neuen Werke von Wagner, Richard Strauss, Debussy und Ravel waren dem breiten Publikum bekannt. Am 25. Juli 1912 fand im Moskauer Volkshaus die Uraufführung seines ersten Klavierkonzertes mit glänzendem Erfolg. Zur Zeit der Oktober-Revolution war Prokofjew bereits so renommiert, dass man ihm im April 1918 eine «Prokofjew-Woche» ausrichtete. Bevor er am 1. Mai in Richtung New York das Land verließ, führte er seine «Symphonie Classique» D-Dur op. 25 auf. Anfang März 1922 mietete Prokofjew sich in Ettal ein. Hier, in der „Villa Christophorus““ gedachte er ein ruhiges Jahr zu verbringen. Bei seinem Auszug im Dezember 1923 waren es schließlich annähernd zwei Jahre
geworden, eine Zeit, die aus dem unsteten Wanderleben des Komponisten durch die Metropolen der Neuen und der alten Welt, West und Ost, heraus fällt.

Im März 1922 übersiedelte ich nach Süddeutschland, in die Nähe des Klosters Ettal an den Ausläufern der Bayerischen Alpen, drei Kilometer von Oberammergau entfernt, das durch seine mittelalterlichen, alle zehn Jahre stattfindenden Passionsspiele berühmt ist, eine malerische und ruhige Gegend, zum Arbeiten geradezu ideal.

In der Idylle Ettals lebte der Komponist zusammen mit seiner Mutter, die auf Erholung ihres Gesundheitszustandes hoffte. In New York hatte der Komponist 1918, im Anschluss an eines seiner Konzerte die Bekanntschaft einer jungen Sängerin gemacht, Carolina Codina (1897-1989; ihr Künstlername Lina Llubera geht auf den Mädchennamen der Großmutter väterlicherseits zurück). Im Oktober 1923 heiratete Prokofjew in
Ettal die spanische Sängerin.

Achtzehn Jahre teilte sie das unstete Leben Prokofjews, gebar ihm zwei Söhne und trat als begabte Sängerin mit Vokalwerken ihres Mannes ständig an Konzerten auf. Während seiner Schaffenszeit in Ettal schrieb Prokofjew seine bekannteste Oper «Der feurige Engel», die aber erst nach seinem Tode sehr erfolgreich zur Aufführung kam.

Eine Zeit lang pendelte Prokofjew ständig zwischen Paris und Moskau. Im Sommer 1936 erfolgte die eigentliche Übersiedlung nach Moskau, wo nun alle Mitglieder seiner Familie weilten. Obwohl seine Gesundheit, bedingt durch die Folgen eines Unfalls, in seinen letzten Lebensjahren stark nachließ, blieb Prokofjew bis zu seinem Tode unermüdlich tätig.

Prokofjew starb am 5. März 1953 von der Öffentlichkeit fast völlig unbeachtet.

Prokofjews Frau Lina besuchte die Gemeinde Ettal, in der Sie ihre ersten Ehejahre mit Sergej verbrachte, im Dezember 1981.

Ettaler Bürger 1940 bis 1945:
Pater Rupert Mayer SJ – Widerstandskämpfer

(gegen NS-Regime)

Rupert Mayer (* 23. Januar 1876 in Stuttgart; † 1. November 1945 in München) war Mitglied des Jesuitenordens und Präses der Marianischen Männerkongregation. In der Zeit des  Nationalsozialismus gehörte er zum katholischen Widerstand. 1987 erfolgte seine Seligsprechung. Im Ersten Weltkrieg stellte er sich als Militärseelsorger zur Verfügung. Nachdem er 1916 im rumänischen Sultatal schwer verwundet worden war, musste ihm das linke Bein amputiert werden. Wohl deshalb wurde er mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet Als 1935 die Caritassammlung verboten wurde, stellte er sich aus Protest am 18. Mai des Jahres mit der Sammelbüchse vor die St.-Michaels-Kirche. Da er auch in seinen Predigten das Regime anprangerte, wurde über ihn im April 1937 ein Redeverbot verhängt. Als er dieses nicht befolgte, wurde er am 5. Juni verhaftet. Im Juli wurde er von einem Sondergericht wegen Kanzelmissbrauch verurteilt. Wegen der Entrüstung des Kardinals und weiter Teile der Münchner Bevölkerung wurde er jedoch freigelassen. Vor dem Sondergericht erklärte er: „Trotz des gegen mich verhängten Redeverbotes werde ich weiterhin predigen, selbst dann, wenn die staatlichen Behörden meine Kanzelreden als strafbare Handlungen und als Kanzelmissbrauch bewerten sollten.“

Da er weiterhin regimefeindlich predigte, wurde er am 5. Januar 1938 erneut verhaftet und in das Gefängnis in Landsberg am Lech gebracht. Durch eine Amnestie kam er am 3. Mai 1938 frei. Er hielt sich nunmehr an das Predigtverbot, weigerte sich jedoch, Auskunft über seine Seelsorgegespräche zu geben. Deshalb wurde er am 3. November 1939 zum dritten Mal verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes und aus Angst vor seinem Tod wurde P. Rupert Mayer SJ am 7. August 1940 nach Ettal gebracht. Im Kloster durfte er nicht ausgehen, keine Besuche empfangen, außer von Beamten und Mitbrüdern, gar keine Seelsorge üben und nur in der Hauskapelle zelebrieren. Er war also in Ettal interniert. P. Rupert Mayer hat das Kriegsende noch miterlebt und konnte auch wieder nach München zurückkehren, starb aber am Allerheiligentag 1945.